Wir haben seit Montagsanfang den Garmin Edge 820 im Test. Der neue „kleine“ Alleskönner aus dem Hause Garmin funktioniert bisher unauffällig und überzeugt durch viele durchdachte Ergänzungen in der Hard- und Software. Die Erweiterung des Garmin Edge 520 spricht vor allem Rennfahrer und Minimalisten an, für die das Flaggschiff Garmin Edge 1000 bisher eine Nummer zu groß war.

Entgegen anders lautender Berichte ist der Garmin Edge 820 nicht als Nachfolger des Garmin Edge 810 zu verstehen, sondern als Erweiterung des Garmin Edge 520. Damit ist auch die Frage beantwortet, warum das Gerät soviel kleiner ist als der Garmin Edge 810. Bereits zur Markteinführung wurde seitens Garmin daraus keinen Hehl gemacht, als Garmin Produktmanager Peter Weirether sich zum Garmin Edge 820 äußerte:

„Das Feedback unserer Kunden ist uns sehr wichtig. Der Edge 1000 war einigen Bikern zu groß, die kleinere Alternative Edge 520 kam nicht in Frage, weil sie die Navigation brauchten. Genau für diese Zielgruppe passt der neue Edge 820 perfekt. Ein sehr kleines, kompaktes Gerät, das mit allen Funktionen des Edge 1000 ausgestattet ist und noch ein paar spezielle Zusatzfeatures bietet. Der 49×73 Millimeter große Edge 820 ist perfekt für den Einsatz am Rennrad geeignet. Und auch Mountainbiker, die Trails oder Downhill fahren, werden sich durch die geringere Größe über deutlich weniger Vibrationen freuen können.“

Der Garmin Edge 820 schließt damit die Lücke zwischen seinem bleichgroßen Bruder Garmin Edge 520, der ohne Datenfunktion ausgestattet ist und dem großen Bruder Garmin Edge 1000, der bis auf wenige Details (kein Group Track, weniger Details in der Auswertung bei Garmin Connect etc.) die gleichen Funktionen bietet wird er neue Alleskönner Garmin Edge 820.

Garmin Edge 820 im Test

Ich hatte den Garmin Edge 820 seit Anfang August zu Hause und zum ersten Mal am 06.08 bei einer Tour mit Ansgar getestet. Seitdem habe ich das Gerät sowohl bei Rennrad als auch bei Mountainbike Einheiten im Einsatz gehabt, bin Tracks nachgefahren und habe die Routing Funktion des Geräts verwendet. Das Gerät macht bisher einen soliden Eindruck, Abstürze und/oder Fehlfunktionen wurden nicht festgestellt.

Garmin Edge 820 Testgerät - Und alle so yeah!

Kleinere Probleme gab es beim 6 Uren Race in Hamme, denn mein 4iiii Precision Powermeter wollte sich nicht mit dem Garmin Edge 820 verbinden, die Kalibrierung scheiterte. Zurückzuführen war dies auf einen Anwenderfehler meinerseits, denn ich hatte den 4iiii Powermeter noch gar nicht der Geräteliste hinzugefügt. Gemerkt, behoben und seitdem keinerlei Probleme mehr. So muss das, Garmin!

Garmin Edge 820 Hardware

Das Garmin Edge 820 ist mit den Abmessungen von 73x49x21mm genauso groß wie der Edge 520 und besitzt ebenso ein 2,3 Zoll Touchdisplay. Mit 16GB ist ausreichend Platz für Segmente und Tracks auf dem internen Speicher vorhanden. Der Akku soll für 15h ausreichen und das Gerät ist nach IPX 7 wasserdicht.

Die Größe

Ich persönlich bin von der Größe begeistert. Bereits der Edge 520 war für mich deswegen immer sehr interessant aber bei meinem Trainingsvolumen komme ich häufig in unbekanntes Terrain und möchte daher auf die Routing/Karten Funktionen des Edge 1000 nicht verzichten. Mit dem Edge 820 habe ich endlich die gewünschte Kompromisslösung.

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Das Gewicht von knapp 70gr gegenüber den 150gr des Edge 1000 sind zu vernachlässigen aber der Edge 1000 wirkt auf dem Vorbau schon immer recht klobig und auch am Rennrad in der Aerohalterung ist das Gerät schon extrem groß.

Allerdings handelt es sich hierbei um eine reine Geschmackssache, denn im Prinzip sind die beiden Geräte bis auf wenige Details technisch gleichwertig.

Das Display

2,3 Zoll mit einer Auflösung von 200x265px ist für ein Trainingsgerät super. Auf Twitter würden wir gebeten grade im Hinblick auf die Ablesbarkeit des Displays antworten zu geben.

Im Training haben sich für mich drei Datenfelder in der Hauptansicht bewährt. Damit habe ich meine Trainingszeit (o. aktuelle Rundenzeit) im Blick sowie mit Trittfrequenz und Leistung meine wichtigsten Trainingswerte.

Allerdings ist das Display auch mit 5 Datenfeldern in der Ansicht noch gut ablesbar und für einen dauerhaften Gebrauch ausreichend. Selbst eine Übersichtsseite mit 12 Datenfeldern (Maximum) kann ich während der Fahrt gut ablesen.

Die Karte (mit Detailgrad 80m, 120m, 200m) ist für ein mehrstündiges Training gut zu gebrauchen. Sehr schön finde ich die Änderung im Vergleich zum Edge 1000, dass bei aktiviertem Routing die Abbiegehinweis nicht mehr als aufgeschaltete Seite mit Kartenausschnitt, sondern als Textfeld eingeblendet werden und so nur das untere Datenfeld temporär nicht zu sehen ist.

Die Steuerung des Displays geht mir nicht ganz so gut von der Hand wie beim Edge 1000. Allerdings nicht wegen der Größe, sondern weil der Druck ein wenig stärker ausfallen muss, um die Wischgesten durchzuführen. Wir sprechen hier aber von marginalen Nuancen.

Ob das Display bei Regen dazu neigt sich selbst zu sperren i er Garmin Edge 1000 konnte ich bisher noch nicht reproduzieren.

Drei Funktionstasten

Die drei Funktionstasten unterscheiden sich zum Edge 1000, allerdings nicht zum Edge 520. Die Tasten liegen nicht auf dem Display sondern darunter. Der Druckpunkt ist gut, allerdings ist das Drücken der Lap-Taste so etwas ungewohnt. Insbesondere wenn man häufig zwischen den Geräten wechselt.

Die Standby/Aus Taste muss länger gedrückt werden, um das Gerät ausschalten zu können. Ein normaler Druck aktiviert den Stromsparmodus. Hier kann es leicht zu Irritationen kommen und das Gerät über Nacht leer laufen.

Die USB-Buchse

Die USB-Buchse ist neu positioniert und befindet sich auf der Gehäuse Unterseite unter der Halterung. Damit ist die Buchse top geschützt.

Ansonsten dürfte der Micro-USB Anschluss gerade der beste Standard sein.

Was ich allerdings nach wie vor absolut ärgerlich finde ist die Auto-Anschalt Funltion des Geräts, nach dem man das USB-Kabel aus dem Gerät entfernt hat. Ich weiß nicht wie oft ich deswegen schon keinen vollgeladenen Garmin im Training hatte… Das Problem ist aber kein spezifisches Problem des Edge 820, allerdings verhält sich das Laden und Anschalten auch bei diesem Gerät leider so.

Garmin Edge 820 Software

Die leicht auf die Größe des Geräts angepasste Menüführung ist für Garmin Kenner intuitiv zu bedienen, Neukunden werden sich zu Beginn etwas durch die Menüpunkte klicken müssen bis sie die gewünschten Bereiche finden.

Die Trainingsseiten lassen sich frei einrichten, die Fülle der anzeigbaren Daten ist nahezu grenzenlos. Eine Übersicht kann man auf der Produktseite von Garmin gewinnen.

Die Routing Software tut ihren Zweck ist aber nicht unbedingt immer die kürzeste/schönste/beste Strecke. Allerdings reicht mir das Routing immer aus, um mich sicher nach Hause zu navigieren.

Was mir persönlich gut gefällt ist die Eingabe der Ziele, denn die Tastenanschläge sind trotz des kleines Displays präzisier als beim Edge 1000, wo ich mich häufiger vertippe.

Garmin Edge 820 - Strava Live Segmente sind ebenso vorhanden

Live Segmente kann der Edge 820 ebenfalls, die Funktion ist wie beim Edge 1000 durchaus kontrovers zu diskutieren. Denn die Auswahl der Segmente, die das Gerät liefert ist manchmal nicht nachvollziehbar.

Umso schöner ist die neue Auswertung in Garmin Connect, die sich irgendwie an Strava orientiert. Schaut nett aus, allerdings ist dies eher ein Gimmicks als nützliche Trainingssoftware.

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Neu ist die Verbindung zu Garmin Connect IQ und damit dem Zugang zu externen Datenfeldern, Apps und Widgets.

Connect IQ

Mit einem Garmin Connect Konto bekommt man Zugang zum Connect IQ Shop. Warum das Ganze als Shop bezeichnet wird, ist mir nicht klar. Denn bisher habe ich keine Apps/Widgets oder Datenfelder kaufen müssen.

Aber über Connect IQ kann man nicht nur Apps/Widgets/Datenfelder herunterladen sondern auch seine Leistungsdaten, Pulsbereiche und Körpermaße mit den Edge-Geräten synchronisieren. Änderungen lassen sich so viel schneller anpassen als das mühselige Tippen in dem entsprechenden Menü auf dem Gerät.

Widgets, Apps und Datenfelder

Zugegeben, viel Mehrwert hat der Zugang zu Connect IQ bisher nicht. Aber so manches Datenfeld sorgt zumindest für optische Highlights während des Trainings, auch wenn ich mit diesen Datenfelder aufgrund fehlender Übersicht und zu viel Bling Bling bisher nie lange fahren konnte.

Widgets und Apps habe ich bisher keine für das Gerät gefunden.

Group Track Test wird nachgereicht

Wir haben ein zweites Garmin Edge 820 für den Group Track bestellt aber bisher nicht erhalten. Die Testgeräte sind derzeit leider vergriffe. Wir versuchen den Test baldmöglichst nachzuholen.

Mit Group Track bekommt man auf das Garmin eine Übersicht, wo sich die Mitfahrer befinden. Klingt sehr spannend und bietet vielleicht auch für andere Zwecke gute Möglichkeiten. Ideen sind vorhanden aber das Gerät fehlt noch.

Fazit

Für Racer und Minimalisten ist der Garmin Edge 820 die richtige Wahl, wer lieber Touren fährt könnte mit dem Edge 1000 besser aufgestellt sein. Allerdings ist die längere Akkulaufzeit hier auch ein Argument Pro 820.

Mit 399€ UVP (499€ für das Bundle mit TF/Gescwhindigkeits Sensoren) ist das Gerät ein bisschen günstiger als der 549€ (609€ für das Bundle) teure Garmin Edge 1000.

Hinweis
Der Garmin Edge 820 wird mir für einen Testzeitraum kostenfrei zur Verfügung gestellt. Es gibt seitens der Agentur keinerlei Vorgaben und oder (in)direkte Einflussnahme auf den Artikel.